Marco Reichert


DE
Marco Reichert lebt und arbeitet in Berlin. Er studierte Malerei an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee sowie Informationstechnologie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seine Arbeiten wurden in Einzel- und Gruppenausstellungen in zahlreichen renommierten internationalen Institutionen und Galerien gezeigt, darunter: RIBOT Gallery, Mailand; Gallery Benoni, Kopenhagen; Circle Culture Gallery, Hamburg, Berlin und Baden-Baden; HOTO, Berlin; Bender Gallery, Asheville, USA; CAI Gallery, Belgien; KH7artspace, Aarhus; Herbert Gerisch-Stiftung, Neumünster; Schaufenster, Berlin; Georg Kolbe Museum, Berlin; Freies Museum Berlin und Künstlerhaus Bethanien, Berlin.
Einerseits ist Reichert ein traditioneller Maler, zugleich arbeitet er mit den Möglichkeiten digitaler Prozesse und überführt diese in die Welt des physischen Kunstwerks. So verbindet er Pinsel und Farbe mit konstruierten Schichten fremdartiger, codierter Bildwelten. Wer oder was ist tatsächlich für den einzelnen Pinselstrich in diesen Arbeiten verantwortlich?
Indem Reichert die Grenzen von Autorschaft und Urheberschaft verwischt, verschiebt er zugleich die Grenzen künstlerischer Kontrolle. Abstrakte Gesten verdichten sich zu Kompositionen. Sie geraten aneinander, überlagern sich, finden neue Furchen und sammeln sich in chromartig schimmernden Farbfeldern. Das digitale Zeitalter hat mit all seiner existenziellen Dramatik faszinierende Fragen nach dem Selbst und dem Anderen, nach Natur und Technologie aufgeworfen.
Reicherts Arbeiten greifen diese Themen auf: Einerseits erinnern seine organischen Formen an die Jahresringe eines Baumes oder an einen Fingerabdruck – einen menschlichen Code. Dazwischen finden sich Fragmente von Schriftbildern oder Kritzeleien. Doch bei näherer Betrachtung erweist sich alles, was organisch erscheint, lediglich als dessen Nachbildung. Die codegesteuerten, glitchartigen Spuren werden von einer durch den Künstler modifizierten CNC-Fräsmaschine ausgeführt – wobei der Fräskopf durch einen Pinsel ersetzt wurde.
Unvorhersehbarkeit ist ein zentrales Element dieser Arbeitsweise. Man kann sie zugleich als kontrolliertes Experiment und als chaotisches Geschehen verstehen. Zwar werden Datensätze eingesetzt, um die Bildebenen aufzubauen – doch sobald sie Teil des künstlerischen Prozesses werden, gilt wie immer die alte Maxime: Regeln sind dazu da, gebrochen zu werden.
ENG
Marco Reichert lives and works in Berlin. He studied painting at the Kunsthochschule Berlin Weißensee and information technology at Humboldt University, both of them in Berlin. He has taken part in solo and group shows in several prestigious international institutes and galleries, such as: RIBOT Gallery, Milan; Gallery Benoni, Copenhagen; Circle Culture Gallery, Hamburg, Berlin, Baden-Baden; HOTO, Berlin; Bender Gallery, Asheville, USA; CAI Gallery, Belgium; KH7artspace, Aarhus; Herbert Gerisch-Stiftung, Neumünster; Schaufenster, Berlin; Georg Kolbe Museum, Berlin; Freies Museum Berlin; Künstlerhaus Bethanien, Berlin.
On the one hand, Reichert is a traditional painter; at the same time, he works with the possibilities of digital processes in the realm of the physical artwork. Thus he combines brush and paint with constructed layers of alien, coded images. Who or what is really responsible for each individual stroke in these works?
By blurring the boundaries of ownership, Reichert shifts the limits of artistic control. These abstract gestures converge as compositions. They trip over each other. They find new furrows. They gather in chromed pools of color. The digital age, in all its existential drama, has raised fascinating questions about selfhood, otherness, nature and technology.
Reichert's works take up these themes: On the one hand, his organic forms are reminiscent of the annual rings of a tree or of a thumbprint (a human code). In between there are fragments of a written image or scribbles. But as one approaches, everything that gives the appearance of being organic is only a facsimile of it. The code-driven glitchy markings are executed by an artist-hacked CNC Milling machine – the mill being replaced by the brush.
Unpredictability is a central element of this way of working. One can think of it as a controlled experiment and a chaotic scene. Although data sets are introduced to build up the picture planes – as soon as they enter the artistic process, the old adage applies – as always – that rules are meant to be broken. (Text by Kate Brown)
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www.instagram.com/marco_reichert
