• Art Week: Thu-Sat 6-8pm / Sun 3-6pm

Egle Otto





In Egle Ottos Malerei ist der Körper keine feststehende Form. Er entsteht im Malprozess. Körperfragmente, Konturen und Farbflächen verbinden sich, lösen sich voneinander und tauchen an anderer Stelle wieder auf. Aus ihnen bilden sich Figuren, die veränderlich bleiben. Der Körper ist damit nicht Ausgangspunkt der Malerei, sondern eines ihrer möglichen Ergebnisse.

Otto arbeitet in Öl direkt auf der Leinwand, ohne Vorzeichnung. Ihre Bilder entwickeln sich in einem fortlaufenden Prozess des Schichtens, Verschiebens und Öffnens der gemalten Oberfläche. Frühere Bildzustände werden dabei nie vollständig ausgelöscht. Sie bleiben materiell gegenwärtig und tragen Spuren früherer Entscheidungen in neue Formen und Bedeutungen hinein. Ein Bild zeigt damit mehr als seinen gegenwärtigen Zustand. Es bewahrt die Zeit seiner eigenen Entstehung.

Diese Bildlogik bezeichnet Otto als Allover-Figuration. Der Begriff überträgt das Allover-Prinzip der abstrakten Malerei auf die Figuration: Die Figur kann sich aus jedem Bereich des malerischen Feldes heraus bilden, ohne an ein festes Zentrum gebunden zu sein. Figur und Grund bleiben dabei beweglich; eine Farbfläche kann zum Körper werden, eine körperliche Form wieder zu Farbe.

Diese Offenheit bestimmt auch Ottos Umgang mit dem kulturellen Gedächtnis. Titel wie Venus, Pandora, Lilith, Loreley, Medea oder Mother rufen Figuren auf, an die sich über Jahrhunderte Vorstellungen von Weiblichkeit, Begehren, Mutterschaft, Verführung und Macht geheftet haben. Otto behandelt sie nicht als Figuren, deren Geschichten es zu illustrieren gilt. Ihre Überlieferungen gehen vielmehr in die Malerei ein und können dort befragt, verschoben und verändert werden.
        



 



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